Expertise und Überzeugung


Mitte der 2010er Jahre ist durch die EU-Richtlinie 2014/95/EU „zur Angabe nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen“ schlagartig das Thema Nachhaltigkeit in einer neuen Qualität auch in Unternehmen angekommen, in denen es bis dahin noch wenig Bedeutung hatte. Die gesetzliche Berichtspflicht stand bevor, und bislang frei zu wählende Berichtsinhalte sollten der Regulatorik unterliegen. 

In dieser Zeit habe ich das Nachhaltigkeitsmanagement einer großen mittelständischen Privatbank in Süddeutschland aufgebaut: Mit Schaffung von Prozess- und Berichtsstrukturen, Moderation eines Lenkungskreises, Stakeholderdialogen und -befragungen und schließlich auch dem Reporting. 

Durch die Nähe zu Top-Entscheidern im Beirat und den laufenden Diskurs in Stakeholderrunden auf Vorstandsebene kenne ich deren Herausforderungen im Umgang mit Nachhaltigkeitsfragen für ihre Unternehmen. 

Als Mitglied im Arbeitskreis Nachhaltigkeit eines der großen Branchenverbände der Finanzindustrie war ich Teil einer Expertengruppe, die sich regelmäßig zu Fragen der Weiterentwicklung von Nachhaltigkeit als strategisches Thema jenseits der Berichtspflicht ausgetauscht und zusammengearbeitet hat.

Die ursprünglich positive Aufbruchstimmung für eine große Nachhaltigkeits-Transformation war mehr und mehr Ernüchterung gewichen. Trotz positiven Ansätzen und ersten Erfolgen blieben die Veränderungen hinter den Erwartungen zurück und erschöpften sich in isolierten Einzelaspekten, in denen Verbesserungen erzielt wurden. Ganz dem Grundansatz folgend, der auch den Berichtskodizes zugrunde liegt, jedes Jahr etwas besser zu werden. Eine echte Veränderung muss aus heutiger Sicht noch einen Schritt weiter gehen.

Sicht auf Nachhaltigkeit


Selbständig gemacht habe ich mich daher mit dem Bewusstsein, dass es sowohl eine systemische Perspektive auf Nachhaltigkeit braucht, die nicht einzelne Symptome im Blick hat, sondern das große Ganze und die Wechselwirkungen aus gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Fragen. Und um wirklich Impact zu erzeugen und die brennenden Herausforderungen wirksam bekämpfen zu können, ist eine integrierende Klammer erforderlich, um Nachhaltigkeit neben den laufenden Themen wie Digitalisierung in die strategischen Transformationen, die Unternehmen durchlaufen, einfließen und sich mit diesen verbinden zu lassen. So entsteht Zukunftsfähigkeit. 

Die Zeit wird knapper, die uns noch bleibt, um wirksam gegenzusteuern. Erste Auswirkungen der Klimaerwärmung sind bereits spürbar da, systembedrohliche Belastungsgrenzen anderer Dimensionen der Biosphäre bereits erreicht und gefährliche Kipppunkte für das Gesamtsystem sind zu erwarten. Aus diesem Grunde sind auch im Gesamtgefüge der 17 Sustainable Development Goals die vier ökologischen Ziele diejenigen, die nicht diskutierbar sind und keinen Aufschub dulden, damit die Grundlage geschaffen ist, um die weiteren 13 Ziele umzusetzen.